Lange, bevor die jetzige "Freiwillige Feuerwehr" in Scharnhorst ins Leben gerufen wurde, bestand auch hier eine Pflicht-Feuerwehr. Den Protokollen der ehemaligen Gemeinde Scharnhorst konnten die folgenden Beschlüsse und Daten entnommen werden:
1897 Nach Beschluß des Gemeinderates Anschaffung von Feuerwehrleitern. Bezifferung der Kosten 30 Mark
1898 Zur Anschaffung von Feuerlöschgeräten 50 Mark bewilligt.
1901 Im Gemeinderat erließ man genau zu beachtende Vorschriften fur den Gebrauch bzw. gegen den Missbrauch der Feuerwehrleiter. Diese durfte ausserhalb des vorgesehenen Nutzungszweckes nur mit Erlaubnis der "Feuergeschworenen" benutzt werden. Jeder Interessent hatte die Möglichkeit, die Leiter für Dachdeckerarbeiten auszuleihen, jedoch war er verpflichtet, sie allabendlich an ihren Platz in der Meyerschen Scheune Nr.6 wieder zurückzubringen. Tat er es nicht, musste er eine Mark Strafe zahlen. Benutzte jemand die Leiter ohne Erlaubnis der "Feuergeschworenen", waren drei Mark Strafe fällig.
1909 Man beschloß im Gemeinderat, die Anschaffung einer Feuerspritze von einem Gespräch mit dem Landrat Dr. Seifert abhängig zu machen. Danach konnte endlich der Kauf für 1090 Mark bewilligt werden. Die Strahlhöhe der Spritze sollte 21-23 m betragen, ausserdem sollte sie 190-200 Liter Wasser in der Minute liefern. Die BEstellung erfolgte über den Mechaniker Max Tell in Verden bei der Firma Lewis und Zhisow in Hannover.
Am 7.August desselben Jahres wurde der Tischler Lindhorst zum Brandmeister und der Anbauer Heinrich Küsel zum Spritzenmeister gewählt. Derjenige, der bei Feueralarm den Vorspann machte, sollte eine Entschädigung nach ortsüblichen Satz für Spanndienstarbeit erhalten.
1916 wurden der Anbauer Johann Eickhoff zum Brandmeister und Halbmeier Dunker zum Spritzenmeister gewählt.
1921 wurde anstelle von Johan Eickhoff der Anbauer Hermann Lindhorst zum Spritzenmeister neu gewählt.
1925 konnte mit Erfolg über den Bau eines Spritzenhauses beraten werden. Friedrich Dunker und Chr. Müller erklärten sich bereit, Grund und Boden zur Verfügung zu stellen, wobei die Wand des Müllerschen Backhauses für den Bau mit einbezogen werden sollte. Es wurde ferner festgelegt daß dieser Platz bis zu einem eventuell späteren Neubau nicht gekündigt werden durfte.
Für die Bereitstellung ihrer Grundstücke zahlte die Gemeinde jährlich an Dunker eine Reichsmark und an Müller fünfzig Pfennig Pacht. Die durch den Neubau entstehenden Kosten sollten durch 20 Prozent Aufschlag zur Grundvermögenssteuer gedeckt werden.
1928 geht es dem Gemeindeprotokoll vom 22.3 hervor, dass für den Fall eines Brandes dem Besitzer eines Spannwerkes, das er zur Verfügung stellen würde, eine Entschädigung von zehn Reichsmark gezahlt werden sollte. Für den Spritzenmeister war ein Jahresfixum von fünf Reichsmark rückwirkend vom 1.4.1927 vorgesehen.
Da die Löschwasserverhätlnisse im östlichen Teil des Dorfes sehr schlecht waren, wurde im selben Jahr einem Antrag beim Gesamtschulverband Scharnhorst-Neumühlen auf Überlassung einer Fläche von 200qm des Schullandes stattgegeben. Diese Fläche, die an das Krantzsche Grundtück anstößt, wurde ausgehoben, damit sich dort Grundwasser und Regenfälle ansammeln konnten. Mittlerweile belebten Flugenten den kleinen Feuerlöschteich.
1929 wurde nach dem Tode des Brandmeisters Heinrich Dunker der bisherige Spritzenmeister, Anbauer Heinrich Lindhorst, zum Brandmeister gewählt. An seine Stelle als Spritzenmeister trat Anbauer Joh. Harms.
1942 Aus dem Dienstbuch der "Freiwilligen Feuerwehr" Scharnhorst geht hervor, dass sie am 15. Juli 1942 von Carl Bellmer, H.Dreyer und J.Pisula gegründet worden ist, nachdem schon verschiedene Versuche, die Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr umzuwandeln, gescheitert waren.
Für die Einkleidung der Feuerwehrleute mussten Stoffe freigegeben werden, da in den Kriegsjahren ohne "Bezugsschein" keine Kleidersoffte gekauft werden konnten. Zu den Kosten bewilligte der Gemeinderat einen Zuschuß.
Am ersten Übungsabend wurden nach dem Geräte- und Fußdienst die Wasserentnahmestellen in Ordnung gebracht.Daran waren dreißig Mann beteiligt. An den nächsten Übungsabenden wurden Gasmasken verpaßt und Angriffslehre sowie Gruppendienst standen auf dem Dienstplan.
1943 wurde eine Feuerwehrgruppe der Hitlerjugend gebildet; ihr gehörten an: Hermann Bellmer, Hermann Kruse, Werner Hoffmann, Hermann Tanke, Rolf Kühlcke. Beim ersten Dienstabend am 8.April wurde über den schulmäßigen Aufbau Unterricht abgehalten.
Im Juni wurde festgestellt, dass die Handdruckspritze nicht mehr einsatzfähig war. Über Reparatur oder Neuanschaffung fehlen Angaben.
Am 1. August wurde die Feuerwehr im "Kriegsdienst" eingesetzt, nämlich zur Suche nach Gegenständen, die aus feindlichen Flugzeugen abgeworfen wurden waren.
Erste Hilfe: Hiefür waren einsatzbereit: Thea Niemann und Annemarie Meyer als Rote-Kreu-Helferin, Emmi Harms als Laienhlferin und Heinrich Wieters als Sanitäter.
Gasdienst: Christian Müller, Georg Meyer und Heinrich Drewes.
Entgiftungstrupp: Christian Müller, Heinrich Rogge und Christian Wöbse zuständig für die Besen (zum Wegfegen von evtl. Giftsroffen aus dem Erdboden); Georg Meyer und Johann Worthmann zuständig für Wasser (zum Nachspülen); Heinrich Drewes und Hermann Müller zuständig für Kalk (zur Entgiftung)
1944 machte der Krieg die Eingliederung von weiblichen Mitgliedern bei der Feuerwehr erforderlich. So sind unter dem 1. Januar verzeichnet: Thea Müller, Mariechen Lindhorst, Adele Humold, Erna und Lisa Müller, Waltraut Kruse, Mariechen Meyer und Ilse Dreyer.
Da im Osterkrug für einen eventuellen Ernstfall die Wasserverhältnisse zum Löschen durch die Feuerwehr sehr schlecht waren, wurde dort nach verschiedenen vergeblichen Bohrungen 1944 ein Hydrant eingebaut. Die Kosten betrugen 2000 Reichsmark.
1945 hatte die Feuerwehr ihre traurigsten Einsätze bei dem Fliegerangriff am 22. Februar zwischen Scharnhorst und Walle auf einen Flüchtlingszug. Ausserdem am 16. April bi einem Bombenangriff auf das Dorf Scharnhorst.
Aus der Nachkriegszeit ist folgender Eintrag bemerkenswert: ,,An Lebensmittelmarken heute erhalten (Heidebrand; Meyer 2; 12.5.47). Scharnhorst, 28.6.1947 - 10g Fett, 25g Wurst, 100g Brot; wird für Gemeinschaftsabend gutgeschrieben = 240g Fett, 600g Wurst, 2400g Brot; für Gemeinschaftsabend gutgeschrieben. - Erledigt 24.1.48."
Mithin müssen bei dem Heidebrand 24 Feuerwehrmänner im Einsatz gewesen sein, für die von der zuständigen Stelle Sonderrationen bewilligt worden waren.
1955 geht aus dem Protokoll des Gemeinderates der einstimmige Beschluß hervor, eine Motorspritze anzuschaffen, da die alte Feuerwehrspritze nicht mehr einsatzfähig war und Ersatzteile nicht mehr beschafft werden konnten.Im Sitzungsprotokoll heißt es darüber wortwörtlich: ,,Zur Finanzierung der Spritze soll der Kreisbaugesellschaft das Guthaben aus der Wohnraumsteuer gegen eine Verzinsung von 4% und eine jährliche Tilgung von 2% zur Verwendung für den freien Wohnungsbau angeboten werden mit dem Vorbehalt, dass dieselbe für das Rechnungsjahr 1955 eine ausserordentliche Tilgung von 3000,-DM bewilligt."
1958 hat der Scharnhorster Gemeinderat im November die Beschaffung eines neuen Tragkraftspritzen-Anhängers beschlossen,da der alte unbrauchbar geworden war und die Wehr deshalb nicht mehr Einsatzfähig sein konnte. Die Kosten sollten 2500,-DM betragen. Dazu wurde ein Zuschuß aus der Feuerschutzsteuer erwartet.
1959 befasste sich der Gemeinderat im Juli mit einem Antrag der Feuerwehr um Errichtung eines Trockengerüstes, da die Kreisschlauchpflegerei bei Übungen benutze Schläuche der Scharnhorster Feuerwehr nicht annahm; mehrere Ratsmitglieder hielten ein Trockengerüst nicht für zweckmäßig.
1966 erhielten die Mitglieder H.D. Lührs das Amt des Brandmeisters und Eberhard Pottberg das des stellvertretenden Brandmeisters.
1968 wurde Willy Schultz Brandmeister. Die "Freiwillige Feuerwehr" verfügte in diesem Jahr über 20 Mitglieder. Der Ortsrat bewilligte die Anschaffung von 20 Kombianzügen und eines 1-B-Schlauches.
1969 wurde unter dem Jugendwart Willy Schultz die Jugendfeuerwehr gegründet.
1970 Beschaffung eines Mannschaftswagens für 5500,-DM.
1972 Da die Schule im Jahre 1970 aufgelöst worden war, konnte ein Nebengebäude für die Feuerwehr zur Verfügung gestellt werden. Durch Umbau wurden ein Geräteraum und ein Mannschaftsraum geschaffen. Im April fand die Einweihung statt. Das alte Gerätehaus an der Kreuzung nach Walle wurde abgebrochen.
1973 wird Eberhard Pottberg zum Ortsbrandmeister und Otto Kamermann zum stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt. Die Änderung der Amtsbezeichnung ist auf die Gebietsreform im Jahre 1972 zurückzuführen.
1980 In der Generalversammlung im Februar wurden Ortsbrandmeister Pottberg und stellvertretender Ortsbrandmeister Kamermann für sechs Jahre wiedergewählt. Ebenfalls für diese Zeit wiedergewählt wurden Schriftführer Klaus Wieters, Kassierer Friedhelm Bartels, Zeugwart Hans-Joachim Kruse und der Sicherheitsbeauftragte Otto Kamermann. Neu gewählt wurden zum Jugendwart Hans-Joachim Kruse, nachdem der bisherige Jugendwart Willy Schultz sein Amt niedergelegt hatte und Detlef Hinrichs zum Funkbeauftragten.
Es erfolgten ferner folgende Beförderungen, die von Stadtbrandmeister Hasselmann vorgenommen wurden: Hauptfeuerwehrmann Albert Wrede zum Löschmeister, Löschmeister Otto Kamermann zum Oberlöschmeister und Hauptlöschmeister Eberhard Pottberg zum Brandmeister.
Am 23.März wurde die Übergabe des so dringend benötigten Feuerwehrfahrzeuges durch den Bürgermeister der Stadt Verden, Dr. Friedrichs, an die Scharnhorster Feuerwehr mit einem festlichen Akt vollzogen. Vor dem Feuerwehrhaus des Dorfes überreichte Stadtdirektor Kau Füllgraf vor der angetretenen Feuerwehrmannschaft und in Gegenwart zahlreicher Ehrengäste dem Ortsbrandmeister Eberhard Pottberg den Schlüßel für das neue Fahrzeug. Dr. Friedrichs wies in einer kurzen Ansprache darauf hin, das durch diese Neuanschaffung die Schlagkraft der Wehr erheblich erhöht worden sei.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Ortsfeuerwehr Scharnhorst dreißig aktive Mitglieder, darunter elf aktive Jugendliche.